Blick zurück
Licht an!
Arosa als Kurort war kaum entdeckt worden und anfänglich nur auf einem Saumpfad von Langwies aus erreichbar, als 1890 die Poststrasse bis Innerarosa gebaut wurde. Von da an lernten immer mehr Gäste Arosa als Sommer-Paradies und idealen Luftkurort kennen und schätzen. Die Entwicklung als Wintersportplatz steckte damals allerdings noch in den Anfängen. In den grösseren Orten der Schweiz waren meist schon elektrische Anlagen für Beleuchtung und Motoren in Betrieb genommen worden, wie beispielsweise im Jahr 1892 das Werk auf Meiersboden in Chur, welches eine der ersten Anlagen für Wechselstrom in der Schweiz war. Einzelne Gasthäuser und Hotels hatten ihre Türen geöffnet, und man erwog, die rauchenden Petrollampen und flackernden Kerzen durch Glühbirnen zu ersetzen.
In den Jahren 1895/96 bildete sich in Arosa ein Komitee für die Einführung der elektrischen Beleuchtung. Wer sich in die vergangene Zeit zurückversetzt, kann die Weisheit und den Wagemut dieser Männer nur erahnen. Für die damaligen Verhältnisse bedeutete der Bau eines eigenen Elektrizitätswerks ein grosses Unterfangen, war es doch mit vielen Risiken, insbesondere in finanzieller Hinsicht verbunden.
Am 21. September 1896 wurden die Aktionäre der «Konsumgesellschaft für elektrisches Licht», die insgesamt ein Aktienkapital von Fr. 72 000.– in 60-fränkigen Titeln gezeichnet hatten, zu einer ersten Versammlung ins Hotel Schweizerhof eingeladen. Nur zwei Tage später, am 23. September, reichte die Gesellschaft dem Gemeinderat das entsprechende Konzessionsgesuch zur Nutzung der Wasserkräfte der Plessur vom sogenannten «Schlugg» bis zur Aroser Grenze ein. Die Gemeindebehörde beantwortete die Anfrage ebenso schnell und erteilte der Aktiengesellschaft am 27. September 1896 die Konzession unter Einräumung des Rechts, das Werk jederzeit käuflich übernehmen zu können. Im Weiteren war die Gesellschaft verpflichtet, die elektrische Kraft für alle installierten Glühlampen im neuen Schul- und Gemeindehaus kostenlos zu liefern und für eine bestmögliche Strassenbeleuchtung zu sorgen. Die Gemeindeversammlung genehmigte am 29. November 1896 die Konzessionserteilung.
In der Zwischenzeit hatte die beauftragte Firma Willi auch die Primär-Freileitung mit 3'600 Volt nach Arosa sowie ein Teil des Sekundär-Verteilnetzes mit 200/115 Volt Spannung erstellt. Am Samstag, 27. November 1897 brannte zum ersten Mal elektrisches Licht in Arosa. Mit einem Umzug durch das Dorf und einem einfachen Nachtessen im Hotel Seehof feierte die Einwohnerschaft das freudige Ereignis.
Aus dem ersten Jahresbericht 1898 ist zu entnehmen, dass sich die Baukosten auf Fr. 234'500.– beliefen. Bei einem Anschlusswert von rund 24'000 Kerzen (entsprach damals rund 2'000 Lampen) resultierte ein Ertrag aus der Lichtrechnung von Fr. 23'974.75. Fast alle Abonnenten waren zugleich Aktionäre des Werkes, die den Lichtstrom zu einem Vorzugspreis beziehen konnten.


